Die Spalier-Übung oder der rosa Elefant

Kennst du das auch? Du willst eben am Wegesrand mit deinem Hund warten, während eine große Ablenkung für deinen Hund (Jogger, Radfahrer, anderer Hund, etc.) vorbei geht. Jedoch ist dein Hund aufgeregt, hält nicht still, fiepst und/oder springt in die Leine. Kurz beachtet dich in dem Moment gar nicht? 

 

Vielen Junghundebesitzern wird das bekannt vorkommen. Es ist nämlich ziemlich schwer für einen jungen Hund ruhig und konzentriert zu bleiben. Wie würde es dir gehen, wenn du an eine Leine gebunden bist und plötzlich läuft ein rosa Elefant an dir vorbei durch den Wald - und du dürftest nicht gucken! Ich denke, meistens geht es den Hunden genauso :o) Wie schaffen wir es nun, dass unser Hund entspannt bei uns bleibt, wenn eine ziemlich große Verlockung vorbei geht und er nicht mit Frust reagiert? Ganz einfach, du lobst deinen Hund schon dann, wenn er den anderen Hund (noch aus der Ferne) sieht, am besten mit deinem Markersignal. Und zwar dafür, dass er sich entscheidet NOCH bei dir zu bleiben (egal, wie lange dieser Moment dauert). Nach dem Lob bekommt er eine wirklich gute Belohnung z.B. hochwertiges Futter.

Otto-Normal-Hundeschulen würden dir wahrscheinlich empfehlen, deinen Hund gar nicht erst zur Ablenkung hingucken zu lassen oder dafür zu sorgen, dass er dich permanent anschaut. Ich finde das äußerst unrealistisch, wenn der dein Hund echtes Interesse am fremden Hund hat. Außerdem ist es frustrierend für deinen Hund, wenn er nicht hingucken darf. Diese sich aufstauende Erregung führt meist dazu, dass er doch irgendwann zur Verlockung hinspringt (meistens wenn sie zum Greifen nah ist). Alle Bemühungen waren dann bis dahin umsonst.

 

Würdest du nicht auch lieber den "rosa Elefanten im Wald" bewundern, statt sich davon wegdrehen zu müssen? Total verständlich! Da es mittlerweile wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass das Hundegehirn im Bezug auf Emotionen ziemlich genauso arbeitet wie das Menschengehirn, macht eine Vermenschlichung auf dieser Ebene absolut Sinn.

Wenn wir uns jetzt noch vorstellen, dass die "traditionelle Hundeschule" an die Dominanztheorie glaubt (wissenschaftlich bewiesen, dass diese Theorie bei Hunden nicht greift - Link) und deinem Hund nun Ungehorsam unterstellt oder gar dominante Züge und dir empfiehlt, deinem Hund mal die Meinung zu geigen (was idR. laut und bedrohlich für deinen Hund ist), während er eigentlich nur in Ruhe schauen will und schlecht mit seinem Frust umgehen kann. Allzu oft sehe ich dann, dass diese "Trainer" in einem Kasernenhofton ein "Sitz" oder "Platz" verlangen und sich nicht scheuen dabei körperlich zu werden. Verständlicherweise steigt das Erregungsniveau dieses Hundes (Frust und Angst), die Emotion wird eine negative (Angst vor dem Menschen und/oder dem "rosa Elefanten"). Beides zusammen ist die perfekte Basis für eine ausgeprägte Leinenaggression. Nein, das habe ich mir nicht ausgedacht, sondern geschieht leider viel zu oft im Alltag.

Der Hund kann nichts dafür, dass er aufgeregt ist, wenn er einen anderen Hund sieht. Er kann sich aber entscheiden, bei dir zu bleiben. Er bekommt für jeden Blick hin zur "Verlockung" sein Markersignal und eine gute Belohnung so gereicht, dass er sich dann vom Hund weg und hin zu dir dreht. So lernt er, dass es sich lohnt, in Gedanken bei seinem Menschen zu bleiben. Der Frust sinkt, das Erregungsniveau sinkt, die vorhandene Emotion ist positiv (Schokolade-macht-glücklich-Prinzip) und die Fähigkeit zur Impulskontrolle steigt. 

 

Ja, anfangs gehen dafür ziemlich viele Futterbrocken in den Hundebauch (die Futtermenge dann einfach anpassen). Aber je entspannter dein Hund wird, desto weniger oft schaut er hin oder beginnt sogar sich von selbst zu dir umzuorientieren.

Nach ein paar Traininsgwiederholungen kannst du auch mal ein "Sitz" erfragen und diese Übung später sogar ohne Leine machen, wenn die Impulkontrolle deines Hundes ausgereift ist.

 

Dieses Prinzip eignet sich ganz wunderbar für Hunde mit Leinenaggressions-Problematiken. Allerdings gehört dazu noch ein ausgereiftes Training mit Entspannung und vor allem Selbstwirksamkeit des Hundes. Am besten meldest du dich dann für das Leinenrambo-Training an.

 

Achten anfangs ganz besonders auf den großen Abstand zur "Verlockung". Je weiter du davon weg bist, desto leichter klappt die Übung. Je fortgeschrittener du und dein Hund werden, desto näher könnt ihr euch ran wagen. Viel Spaß beim Üben!

 

 

Ich wünsche dir und deine Fellnase sichere und wunderschöne Spaziergänge.

  

Hundepsychologin

Daniela J. Braun

 

www.HundGutAllesGut.de

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