Dein Hund an das Autofahren gewöhnen

Als mein Beagle Spanky damals bei einzog, hatte er unter anderem panische Angst vor dem Auto und dem Autofahren. Am Abholtag musste er knapp 10 Minuten mit dem Auto fahren - er hat unglaublich viele Haare verloren, permanent gepupst, gezittert, gesabbert und zeigte ein deutliches Stressgesicht. Kurz, er hatte Angst vorm Autofahren. Da ich wusste, wie wichtig das Autofahren für uns sein würde, entwickelte ich einen kleinschrittigen Trainingsplan um ihn in aller Ruhe daran zu gewöhnen.

 

Wenn Sie sich davon inspirieren lassen möchten, sollten Sie wissen, dass ich mit ihm kein Auto gefahren bin, bis er stressfrei um den Block fahren konnte. Beobachten Sie Ihren Hund genau und beginnen Sie mit dem Training einen Schritt VOR dem Trainingsstand, der Ihrem Hund aktuell Stress bereitet.

 

 

1. Schritt - in der Nähe des Autos aufhalten

 

In der ersten Woche haben wir uns in unmittelbarer Nähe des Autos aufgehalten und für ihn schöne Dinge gemacht. Dazu gehörte die Suche nach Leckerbissen im Gras, das Kauen von Kauartikeln neben dem Auto und das Füttern aus dem Fressnapf neben dem Auto. Trainingszwischenziel: Spanky hält sich entspannt in der Nähe des Autos auf.

 

 

2. Schritt - das Auto öffnet sich

 

Wie in der ersten Woche machten wir lustige Dinge neben dem Auto. Ab und an öffnete ich dabei alle Türen, schloss sie wieder, ließ sie offen und setzte mich auf den Sitz oder in den Kofferraum. Spanky bekam keinerlei Druck einzusteigen. Trainingszwischenziel: Hund entspannt sich immer mehr auch wenn die Autotür ins Schloss fällt.

 

 

3. Schritt - tolle Dinge IM Auto

 

Ich versteckte tolle Kekse rund um das Auto herum (z.B. auf der Stoßstange, im Beifahrerbereich, auf den Sitzen, etc. Ich wartete einfach ab, bis er von selber einstieg. Ich habe ihn dabei nicht verbal auf gefordert, da ich wollte, dass er es in seinem eigenen Tempo macht. Er hat mir beim Futter verstecken selbstverständlich zu geguckt. Trainingszwischenziel: Hund steigt ohne zu Zögern ins Auto ein und erwartet bestenfalls mehr Leckerbissen.

 

 

4. Schritt - Entspannung im Auto

 

Nachdem er nun gerne ins Auto einstieg verlängerte ich den Aufenthalt im Auto immer mehr, indem ich ihm Futter anbot, welches er nicht innerhalb von einer Sekunde inhaliert hatte. Dinge wie, gefüllte Kongs, Kaustangen, gefüllte Futternäpfe und Massagen. Erst ab dem Punkt konnte ich ihn streicheln. Vorher ist er immer ausgewichen. Trainingszwischenziel: Hund hält sich mit positiver Erwartungshaltung im Auto auf.

 

 

5. Schritt - das Auto schließt sich

 

Während er an seinen Kauartikeln knabberte deutete ich nur an, dass ich die Kofferraumklappe schließen würde. Anfangs berührte ich die Klappe nur mit einem Finger. Das machte ich so lange, bis er nicht mehr argwöhnisch innehielt sondern entspannt weiter kaute. Dann bewegte ich die Klappe 2cm runter und sofort wieder rauf. Dann 10cm und so weiter. Trainingszwischenziel: Hund ist im Auto und die Klappe (oder Tür) kann geschlossen werden und er bleibt entspannt.

 

 

6. Schritt - der Motor startet

 

Nachdem Spanky nun entspannt im Kofferraum kaute, setzte ich mich derweil auf den Fahrersitz. Er ertrug die Distanz zu mir nach zwei Wiederholungen ganz problemlos. Beim dritten Mal startete ich den Motor und schaltete ihn augenblicklich wieder aus. Er war anschließend etwas verunsichert, steig aber weiterhin gerne ins Auto ein. Hätte es an dieser Stelle Probleme gegeben, wäre ich im Training wieder die Schritte zurück gegangen bis zum Einsteigen und hätte dann dort wieder angeknüpft bis das Einsteigen wieder gut klappt. Trainingszwischenziel: Hund bleibt auch entspannt, wenn der Motor länger läuft.

 

 

7. Schritt - Wir fahren (1m weit)

 

Der Motor lief und Spanky blieb glückselig mit seinem Kauartikel beschäftigt. Nun war es an der Zeit, seine Welt ins Wanken zu bringen. Wir fuhren los. Einen Meter weit. Ich schaltete den Motor aus. Er schaute verängstigt zu mir. Ich "erzählte" ihm wie viel Spaß mir das gemacht hatte. Kurze Zeit später frass er weiter. Trainingszwischenziel: Hund bleibt entspannt, während das Auto bis zu 10 Meter weit fährt.

 

 

8. Schritt - Eine ganze Runde um den Block (naja, eine Halbe)

 

Einsteigen, Auto schließen, Motor starten, Bremsen, Anhalten klappte soweit gut. Wir wollten eine ganze Runde um den Block fahren, das sind 678 lange Meter. Bei gut der Hälfte bat ich meinen Freund anzuhalten. Spanky war kurz vor einer Panik. Wir steigen aus und liefen den Rest der Runde. Ein paar Tage später war eine ganze Runde möglich. Trainingszwischenziel: Hund fährt kurze Strecken entspannt im Auto.

 

 

9. Schritt - Hundeziele

 

Damit er das Autofahren gut verknüpft fuhren wir anfangs nur zur Hundewiese. Ein Ort, wo er viel Spaß hatte und fast niemals Ängste zeigt. Oder wir besuchten die Schwiegereltern (Ort der Tausend Leckerbissen). Jedenfalls nur zu Orten und Personen, die Spanky gerne mochte. Trainingsziel: Hund fährt gerne Auto! 

 

 

Das Auto wurde seine Schutzhöhle. Er konnte überall mit hin und brauchte auch keine Angst vor der "gefährlichen" Außenwelt haben. Ab dem Tag wartete er problemlos längere Zeit im Auto, während er gar nicht zu Hause allein sein mochte. Es dauerte trotzdem noch fast zwei Jahre und eine Transportbox bis er das erste Mal während einer Autofahrt geschlafen hat. 

 

Ja, es mag langwierig erscheinen. In der Summe dauerte das Training 3,5 Monate. Aber es war alle Mühen wert, wenn ich sehe, wie wohl er sich heute (und schon seit langer Zeit) im Auto fühlt.

 

 

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Fellnase ein erfolgreiches Training.

 

Deine Hundepsychologin und Shopbetreiberin

Daniela J. Braun

 

www.HundGutAllesGut.de

www.HundGutAllesGut-Shop.de

 


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